Finale vs. Dorico, no bashing!

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netzrauschen
Beiträge: 15
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Finale vs. Dorico, no bashing!

Beitrag von netzrauschen »

Hallo zusammen,

ich nutze zum Komponieren Sibelius, MuseScore, verschiedene DAWs und bin jetzt gerade dabei, mich in Finale einzuarbeiten. Die Aufgabenstellung lautet Komponieren, und das wiederum bedeutet, dass ich gar nicht alle Funktionen der Programme benötige. Aktuell bin ich dabei, insgesamt einen Riesenschritt zurück zu gehen, weil ich dieses Rumgemale kilometerlanger Controller-Linien und dieses Gedengel mit Artikulationen in der DAW gründlich satt habe. NotePerformer sehe ich an als einen großen Schritt aus dem Dilemma, irgendwann demnächst kommt Version 4, und Arne Wallander hat angekündigt, dass es revolutionär werden wird (oder so ähnlich). Da warte ich drauf. Spätestens dann fliegen alle Libraries vom Rechner. Keine DAW Mockups mehr, nur noch NP, und am Ende wird eh alles von echten Musikern gespielt, deswegen geht das.

Komm ich jetzt mal zum Punkt. Das Thema Dorico steht ja felsenfest vor jedem, der jetzt eine Notations-Software kaufen will. Habe einige Wochen mitgelesen auf VI-Control, wo ja der Produktmanager, sagen wir mal, sehr aktiv ist. Ich finde selbst auch einige der Entwicklungen mächtig interessant, und gerade bei der Noteneingabe (was mir wichtig ist) schlägt es Finale recht deutlich. Drucken brauche ich (noch) nicht, machen Kollegen.

Was mich an Dorico abschreckt sind 3 Dinge:

Erstens, es ist Steinberg. Da gibt es jetzt z.B. den Key Editor in schön, aber unten im Controller-Bereich keine Kurven, nur Linien. DAS ist typisch Steinberg, Funktion rudimentär verwirklichen, im nächsten großen Update zollpflichtig den Rest nachschieben. So oft erlebt bei Cubase. Jede Menge Klick Bait, wie zum Beispiel Noten aus Akkorden erzeugen lassen. Klingt im Manual schön, aber selbst in den Demos höre ich Quint-Parallelen, was soll das also?

Zweitens, das Programm erschlägt einen mit Funktionen. Auch das ist typisch Steinberg, 40 Seiten neue Funktionen in der aktuellen Ankündigung. Meine Erfahrung aus zwanzig Jahren Cubase: Ich nutze nicht mal 10 %, vermutlich noch weniger, und ich bin echt fit in Cubase. Aber ich brauche einfach nicht mehr.

Drittens, dieser ganze Programm-Wahnsinn, der sich auf deinem Rechner abspielt. Downloadprogramm, Aktivierungsmanager, dann erst das eigentliche Programm, dann aktivieren online etc. pp. Nicht mal die Demo kriegt man, ohne dass man den Newsletter akzeptiert, und an der Stelle hatte ich eigentlich schon keine Lust mehr.

Trotzdem die Frage: Ist das Programm so gut, dass man tatsächlich nicht daran vorbei kommt? Sollte man ältere (aber sehr bewährte) Programme ins Altersheim schicken und stattdessen auf ein Programm setzen, dass rege (äußerst rege, sehr äußerst viel rege) weiter entwickelt wird? Vermisst jemand von den werten Mitforisten Finale nach dem Umstieg auf Dorico? Immer mit Blick darauf, dass ich die Programme zum Komponieren nutze, nicht zum Veröffentlichen.

Würde mich über Meinungen dazu freuen, vielleicht gibt es ja hier jemanden, der beide Seiten gut kennt. Kurzer Hinweis: Ich meine das nicht als bashing, denn mit Finale bin ich eigentlich zufrieden, und Dorico kenne ich noch nicht. Aber das Gras auf der anderen Seite könnte diesmal wirklich grüner sein. Oder?

Besten Dank und beste Grüße

Bodo
Zuletzt geändert von netzrauschen am Fr Nov 18, 2022 9:54 pm, insgesamt 1-mal geändert.

netzrauschen
Beiträge: 15
Registriert: Mi Nov 02, 2022 11:14 am

Re: Finale vs. Dorico, no bashing!

Beitrag von netzrauschen »

Ich hab einfach mal gezählt. In den letzten 24 Stunden hatte das Internationale Dorico Forum

69 Fragen, darauf gab es insgesamt
650 Antworten, bei insgesamt mehr als
15.000 Besuchern.

Ich denke, meine Frage ist damit beantwortet :)

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Heiko Kulenkampff
Beiträge: 651
Registriert: Sa Jun 06, 2009 10:26 am

Re: Finale vs. Dorico, no bashing!

Beitrag von Heiko Kulenkampff »

In wie fern?
Finale 26.0.1, MacBookPro, OS 10.14.2

netzrauschen
Beiträge: 15
Registriert: Mi Nov 02, 2022 11:14 am

Re: Finale vs. Dorico, no bashing!

Beitrag von netzrauschen »

Hallo Heiko,

insofern, dass sich ganz offensichtlich eine Menge User entschieden haben, Dorico zu benutzen. Man kann m.E. sehr wohl von der Größe und der Aktivität der Community darauf schließen, ob ein Programm eine sehr große Anzahl dieser Nutzer tatsächlich anspricht. Ich habe Dorico in den letzten Wochen getestet und mich dagegen entschieden. Meinen Ursprungs-Post, zu dem du sehr gerne auch deine Erkenntnisse schildern darfst, sehe ich im Prinzip bestätigt. Finale macht, was ich will, und wenn es Punkte gibt, die ich an Dorico übersehen habe und zwingend für das Programm sprechen, dann würde ich die sehr gerne hören. Da ungefähr würde ich meinen Ursprungs-Post Vororten wollen.

Danke, beste Grüße.

SwinginPhone
Beiträge: 63
Registriert: Do Okt 11, 2012 10:49 pm

Re: Finale vs. Dorico, no bashing!

Beitrag von SwinginPhone »

Nur interessehalber: Warum nutzt Du Sibelius nicht intensiver?

netzrauschen
Beiträge: 15
Registriert: Mi Nov 02, 2022 11:14 am

Re: Finale vs. Dorico, no bashing!

Beitrag von netzrauschen »

Weil ich Subscriptions nicht unterstützen will. Übrigens auch so ein Punkt bei Dorico, die gleichen Entwickler, die ein ursprünglich sehr geiles Sibelius so dermaßen verschlimmbessert haben...

Edit: Ich könnte mit Subs leben, aber Reinstate, Renewal, Perpetual, Annual Subscription, die künstliche Kastrierung der kleineren Versionen, wie z.B. kein Inspector bei Artist, etc.

Dieses ganze Gedöns. Pro Tools dto, ein super geiles Programm, aber dieses ganze Theater drumrum ist einfach nur erbärmlich, sorry...

ogirem
Beiträge: 143
Registriert: Mo Apr 02, 2007 2:22 pm

Re: Finale vs. Dorico, no bashing!

Beitrag von ogirem »

Jeder Nutzer hat andere Anforderungen an ein Programm. Nicht jeder benötigt alle Features, die so große Programme wie Finale oder Dorico anbieten. Es gibt Funktionen, die habe ich in über 25 Jahren mit Finale eigentlich nie eingesetzt.
Anfang 2022 habe begonnen mit Dorico zu arbeiten. Ich fertige sehr viel Unterrichtsmaterial an. Insbesondere Arrangements kleinerer und größere Ensemble-Stücke. Da ich tausende von Finale-Dokumenten habe, nutze ich das Programm weiter, habe aber seit Jahresbeginn neue Projekte nur noch mit Dorico angefangen und teilweise sogar alte Finale-Dateien via xml nach Dorico bewegt. Der wichtigste Grund ist, dass ich, sobald die Noten eingegeben sind, im Bereich Layout meistens fast nichts nacharbeiten muss. Die Fähigkeiten von Dorico in diesem Punkt machen mich immer wieder sprachlos. Mein Zeitaufwand nach der Noteneingabe hat sich extrem verringert. Wieviel Arbeits(Lebens)zeit hat mich schon das nachträgliche Ausrichten von Noten und das Korrigieren so ziemlich aller weiteren Einträge in Finale gekostet? Das macht Dorico so gut, dass ich dies als unschlagbaren Vorteil ansehe, der für mich den Umstieg schon gelohnt hat. Der Zeitaufwand beim Erlernen des neuen Programms und die gelegentlich notwendige Recherche im Handbuch fallen hingegen viel weniger ins Gewicht als ich anfangs befürchtet hatte.
macOS Monterey 12.1; Finale 27; Dorico 4 Pro

netzrauschen
Beiträge: 15
Registriert: Mi Nov 02, 2022 11:14 am

Re: Finale vs. Dorico, no bashing!

Beitrag von netzrauschen »

Hallo ogirem,

danke für deinen Erfahrungsbericht, das sind genau die Antworten, die ich mir erhofft habe. Ich werde das sammeln um zu entscheiden, ob ich mich noch einmal mit Dorico beschäftigen werde.

Beste Grüße.

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