Partitur in C notiert

Auf Anfrage einiger User eine neu eingerichtete Rubrik, in der es nicht um Fragen, sondern um ausführliche Anleitungen zu Problemstellungen gibt.
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Alfred
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Partitur in C notiert

Beitrag von Alfred » Di Okt 20, 2015 4:08 pm

Liebe Finalisten,
"Partitur in C notiert" hat hier im Forum bereits für "Aufruhr" gesorgt.
Trotzdem wage ich diesbezüglich nochmals eine Frage in die Runde:

Mir ist die Bedeutung für uns hier im mitteleuropäischen Raum und auch mehr oder weniger traditionell nicht eindeutig klar.

1. Handelt es sich um eine Partitur, in der lediglich die transponierenden Instrumente klingend notiert sind und ansonsten ALLE TONARTEN mit generellen Vorzeichen möglich sind ?

2. Handelt es sich um eine Partitur, die durchweg OHNE generelle Vorzeichen notiert ist und selbstredend die transponierenden Instrumente klingend geschrieben sind ?

Beispiel zu 1.: Tonart D-Dur, Trompete in B klingend in D-Dur notiert.

Beispiel zu 2.: Keine Vorzeichen, Trompete in B ist klingend in C-Dur notiert.

Vielleicht ist einem von Euch die Frage nicht zu simpel und klärt mich auf, wofür ich dankbar wäre.

Harzliche Grüße
Alfred
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Paul Bialek
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Beitrag von Paul Bialek » Di Okt 20, 2015 7:18 pm

Heißt nur, dass alle transponierenden Instrumente klingend notiert sind. Für Taktstockschwinger die des Transponiertlesens nicht mächtig sind.

Gruß in den Harz

Paul
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rennert
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Beitrag von rennert » Di Okt 20, 2015 8:43 pm

... und man sollte das nicht tonartloser Notation verwechseln, wo zwar alle transponierenden Instrumente auch transponiert geschrieben sind, es dennoch keine Generalvorzeichen gibt.
Uli Rennert
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Alfred
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Beitrag von Alfred » Mi Okt 21, 2015 4:41 pm

Dann will ich mal zusammenfassen:

1. Traditionell (von zwischenzeitlichen Bestrebungen abgesehen) mit generellen Tonartvorzeichen und transponiert notierten Instrumenten.

2. "Die Partitur ist in C notiert" ebenso mit generellen Tonartvorzeichen, aber klingend notierten transponierenden Instrumenten.

3. Tonartlose Notation mit transponiert notierten Instrumenten.
Im fundamentlosen Zeitalter verständlich, da nur Akzidentien einigermaßen Klarheit in das Tongeflecht bringen können und nicht noch mehr Verwirrung durch eine heute bedeutungslos gewordene generelle Vorzeichnung entsteht. (Neben "grauer Theorie" darf ein bisschen Philosophie doch sein !?)

Vielen Dank für Euere Antworten
Alfred
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Ingo
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Begriffsverwirrung

Beitrag von Ingo » Di Okt 27, 2015 7:44 am

Ja Alfred, so ist es: ›Partitur in C‹ ist allerdings eine mißverständliche Bezeichnung, wie man an dieser Diskussion sieht, weil die natürlich nicht in C-Dur stehen muß. Man sollte vielmehr zwischen klingender und transponierender Partitur unterscheiden, wie das in Finale auch steht (klingend anzeigen) – wobei allerdings auch dort nicht alle Instrumente klingend notiert werden (Piccolo, Kontrabaß).
Kluge Leute haben doch eine präzise deutsche Musikterminologie entwickelt – warum benützen wir sie nicht?
Man kann nicht mit jedem Lied jeden ansprechen:
Der eine find’t’s gut, der andre muß brechen.
Ulrich Roski

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Alfred
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Beitrag von Alfred » Di Okt 27, 2015 7:07 pm

Ja freilich, lieber Ingo, wer will schon unterscheiden können, ob es sich um ein Stück in C-Dur oder um ein tonartloses handelt. ("Tonartlos" bedeutet für mich ausschließlich eine theoretische Unart und ist hörpraktisch nicht von Bedeutung, da ja das Ohr immer tonale Zusammenhänge, auch übergeordnete, sucht und findet.) Man müsste also die Noten mit Versetzungszeichen analysieren und feststellen, ob sie in den unmodulierten C-Dur-Kreis gehören oder "Fremdkörper" sind. Wer macht sich schon wegen einer "Unart" diese Mühe!?
Ich gestehe aber, dass ich hie und da auch Stücke ohne Vorzeichen schreibe, die ich aber nicht als "tonartlos", sondern als "vorzeichenlos" bezeichne. Diese Art hat lediglich den Sinn, die schnelle Lesbarkeit zu fördern und nicht unnötige Auflösungszeichen schreiben zu müssen oder von Tonart zu Tonart in kürzesten Abständen springen zu müssen.
Ansonsten wünsche ich mir auch keine "Verwässerung" der bewährten Musikterminologie. Schade, dass meistens die Unterhaltungsmusik hier schlechten Einfluss nimmt. O.K., die "modernen" Komponisten der E-Musik sind oft auch nicht gerade unschuldig.
Harzliche Grüße
Alfred
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