Abstände bei Strich-Notation

Schwierige oder kniffelige Probleme, Feinheiten des Notensatzes etc.
C Schonberger
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Abstände bei Strich-Notation

Beitrag von C Schonberger »

Hallo,

Frei nach Heinz Erhardt: Und noch 'n Problem:

Wenn Ich das Notensystem-Werkzeug und dann Strich-Notation (besonders wichtig bei Schlagzeug - denke Ich) anwähle, ist die Verteilung of sehr unregelmäßig und damit unansehnlich. Das hat natürlich mit der Notenverteilung zu tun. Leider habe Ich bei den Spezialwerkzeugen keines gefunden, das die Querbalken der Strich-Notation bewegen kann, um ein sauberes Notenbild hinzubekommen. Kann man da etwas tun, oder muss man auf Finale 2011 warten? (war nur ein Spaß) :wink:

Wie immer: vielen Dank im Voraus für jegliche Antwort,

Christian

P.S.: jegliche Kritik am Setzen meiner Kommata ist willkommen aber vergeblich: ich habe die Regeln nie verstanden. Finger hoch: wer hat's begriffen? :wink:
Jens
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Beitrag von Jens »

Standardmäßig ist bei Finale die Verteilung der Musik nach Noten eingestellt. An dieser richten sich natürlich auch die Striche bei der Strichnotation aus.
Wenn sich Dein Problem jetzt nur auf eine Einzelstimme (z. B. Schlagzeug) bezieht, kannst Du ja den Bereich mit der Strichnotation mit dem Bewegungswerkzeug anwählen und dann unter "Bewegen/Ausrichtung der Musik/Aufteilung nach Taktart" wählen. Die Striche werden jetzt gleichmäßig in den Takten verteilt. Wird dies allerdings in der Partitur gemacht, werden alle anderen Noten der anderen Instrumente ebenfalls so verteilt, was ein unschönes Notenbild zur Folge haben kann. Bei der Strichnotation von Rhythmusinstrumenten mit Akkordsymbolen (insbesondere bei Akkorden, die aufgrund vieler Erweiterungen viel Platz brauchen) kann es so zu unschönen Überschneidungen kommen. Hier bietet sich oft die Aufteilung nach Taktschlag und unter Umständen eine Aufteilung innerhalb der Takte mit den Taktschlagtabellen an.
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Thomas Hauber
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Beitrag von Thomas Hauber »

Christian, wenn du ernste Musik (im Sinne der GEMA) schreibst: bitte, bitte, bitte, schreib doch ganz normale Noten auch für uns Schlagzeuger! Wir (die Schlagzeuger) wollen endlich auch integriert werden in die Gesellschaft der Musiker (weißt schon: treffen sich drei Musiker und ein Schlagzeuger...).

Ich wollte nur kundtun, dass diejenigen, die die Percussionskunst gut beherrschen, durchaus auch Noten lesen können und WOLLEN.

Danke und nix für ungut! :)
Thomas
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musicara
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Beitrag von musicara »

Thomas Hauber:Ich wollte nur kundtun, dass diejenigen, die die Percussionskunst gut beherrschen, durchaus auch Noten lesen können und WOLLEN.
Ja, Zustimmung! Aber ein Problem ist wirklich, dass die Zunft der Perkussionisten es bisher nicht geschafft hat, Notierungen für ihr Instrumentarium zu standardisieren. Beispiel: Unlängst hatte ich eine Oper zu setzen. Nach Fertigstellung der Stimmauszüge erntete ich wütende Proteste der Schlagzeuger des betr. Theaters - die Anordnung sei unter aller S... Genau diese Anordnung hatten mir aber kurz zuvor die Schlagwerker eines anderen Theaters - von mir ratsuchend befragt - als "üblich" beschrieben. Die Gitarristen mit ihren Harmoniebezeichnungen sind da auch nicht besser, nur wir Klavierspieler habens mal wieder geschafft. Oben ist rechts, unten ist links, und wenn nich, stets dabei. Na gut, die Organisten auch, aber die hauen ja meistens die Frauen anstatt Noten zu lesen - wie Manfred zu berichten wusste.
musicaRA
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Thomas Hauber
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Beitrag von Thomas Hauber »

musicara:Aber ein Problem ist wirklich, dass die Zunft der Perkussionisten es bisher nicht geschafft hat, Notierungen für ihr Instrumentarium zu standardisieren.

Da gebe ich dir leider Recht. Das ist ein unzumutbarer Zustand. Ich kann da auch nur sagen, wie ich es gerne hätte bzw. wie es m. M. nach die Mehrheit gerne hätte: Schlagzeuger spielen generell lieber aus einer Schlagzeugpartitur. Man kann die Stimmen mitverfolgen und braucht daher weniger zu zählen. Ein weiterer Vorteil ist, dass u. U. ein Spieler mehrere Instrumente bedienen muss und dies mit Einzelstimmen praktisch nicht durchführbar ist (da verstehe ich die Schlagzeuger vollkommen). Ein paar Dinge sollte man aber beachten:

1. die Instrumente immer im gleichen Notensystem belassen
2. Akkoladen nur dann optimieren, wenn wirklich längere Zeit eine Stimme aussetzt
3. Notensysteme bezeichnen mit 1, 2, 3..., also die Spieler und nicht die Instrumente
4. wechselnde Instrumente eines Spielers im Notentext benennen (nicht vor dem Notensystem)
5. wenn eine oder mehrere Stimmen sehr komplex sind und wenig Pausen haben, dann für diese Stimmen doch eine Einzelstimme schreiben

Ansonsten gilt nur eine Generalregel: wie man's macht, es ist falsch!


musicara: Na gut, die Organisten auch, aber die hauen ja meistens die Frauen anstatt Noten zu lesen - wie Manfred zu berichten wusste.

Da möchte ich nur bemerken, dass ich wohl einer der wenigen hier im Forum bin, der die legale Lizenz zum Schlagen und Hauen - egal auf was - hat!
Thomas
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C Schonberger
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Beitrag von C Schonberger »

Die oben erwähnte Partitur mit Strich-Notation ist im Jazz-Stil nach Berklee-Standard: Trommeln und Becken sind genormt, aber vereinfacht, da jeder Schlagzeuger sein Instrument etwas anders aufbaut, und auch die Spielstile individuell sind (z.B. traditionell/conventional grip, open handed/matched grip etc.). Ein typisches Jazz-Schlagzeug würde ausgeschrieben sowohl sehr kompliziert, alsauch zu einengend für den Schlagzeuger selbst sein. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Jazz sehr oft Improvisation enthält.
Eine einzige Schlagzeugfigur, die z. B. auf Doubles (RRLLRRLL etc.) oder Paradiddeln (RLRR LRLL etc.) aufgebaut ist, würde zudem sehr viel Platz einnehmen. Man schreibt also nur eine ein- oder zweitaktige Grundrhythmusfigur, und dann geht's mit Strichnotation und "Stop-Time" (festelegte Schläge) und eventuell "Kicks over Time" (festgelegte Schläge inerhalb der Rhythmusfigur) weiter.
In ernster Musik (Ich finde zwar nicht, das Jazz nur zum Spaß ist, aber das gehört nicht hierher), schreibe Ich natürlich die Perkussion aus.

Das sollte jetzt keine "kleine Lehrstunde" sein - bitte nicht falsch verstehen - sondern nur eine Beschreibung, wovon Ich spreche, was Ich tue und warum.

Die Strich-Notation wird wegen unregelmässiger Notenverteilung (z.B. Sechzehntel mit Vorzeichen) anderer Instrumente "aus der Bahn" geworfen.

Frage bleibt: kann man das Richten, also die Striche unabhängig bewegen/verteilen?

Danke nochmals,
Christian
Martin Gieseking
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Beitrag von Martin Gieseking »

C Schonberger hat geschrieben:Frage bleibt: kann man das Richten, also die Striche unabhängig bewegen/verteilen?
Die Striche lassen sich leider nicht unabhängig von der Taktschlagtabelle bewegen.
Als Workaround könntest Du statt den Strichnotationsstil zu verwenden, normale Noten eingeben, deren Köpfe durch Striche ersetzen und die Hälse ausblenden. Eine einfachere Lösung fällt mir im Moment nicht ein.
musicara
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Beitrag von musicara »

C Schonberger.Eine einzige Schlagzeugfigur, die z. B. auf Doubles (RRLLRRLL etc.) oder Paradiddeln (RLRR LRLL etc.)
Wenn ich das so lese, kommt mir eine ernstgemeinte Frage an Programmierfreaks hoch. Könnte man nach diesem Muster Klaviernoten programmieren und so spielbar machen?
Legende:
R=Rechte Hand
L=Linke Hand
1=Ganze Note
2=Halbe Note
4=Viertelnote
8= Achtelnote usw.
C=großes C
c1 = c1
c2= cC2 usw.
"Alle meine Entchen" wäre also: R4c1/R4d1/R4e1/R4f1/R2g1/R2g1 usw.
Parallel dazu: /(weiß nicht, wie programmierbar, P?) LC1/LC1/LF1/LC1 usw.
Notenschrift für Blinde?
Komplizierteres lass ich mal weg, das ist schon schwer genug spielbar.
Ich mein das jetzt ernst, Leute.
musicaRA
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Tausig
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Beitrag von Tausig »

Frage: Wenn neben den Strichen auch Noten darzustellen sind, dann ist es doch selbstverständlich, daß gemeinsame Schläge auf gemeinsamer Vertikalen liegen. Alles andere wäre doch schlicht falsch, auch wenn man schön gleichmäßig ausgerichtete Striche schöner fände. Man kann doch auch keine gleichmäßigen Achtel oder Viertel einer Stimme unabhängig von einer anderen ausrichten, die ganz andere Rhythmen oder aus anderen Gründen (z.B. mehr Vorzeichen) andere Abstände hat. Nichts ist für einen Partitur-Leser verwirrender, als wenn Gleichzeitiges nicht untereinander steht, oder?
Geteilte Bratsche ist halbes Leid.

Windows XP - Finale 2005b - 2012a
Martin Gieseking
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Beitrag von Martin Gieseking »

musicara hat geschrieben:Könnte man nach diesem Muster Klaviernoten programmieren und so spielbar machen?
Klar, geht das. Es gibt schon unzählige einfache und komplizierte Codes, mit denen Noten beschrieben werden können. Statt grafischer Noten lassen sich daraus u.a. auch MIDI-Noten generieren und wiedergeben. Das RISM kodiert z.B. sämtliche Musik-Incipits im Plaine-and-Easie-Code (den schreibt man wirklich so). Alle meine Entchen sieht damit folgendermaßen aus:

Code: Alles auswählen

4'CDEF/2GG/4AAAA/1G/4AAAA/1G/4FFFF/2EE/4DDDD/1C///
Das Plug-In "Befehlszeile" erlaubt auch die Noteneingabe via Code, der allerdings nicht wirklich gut konzipiert wurde und nur taktweise funktioniert.
musicara
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Beitrag von musicara »

Martin Gieseking:Das RISM kodiert z.B. sämtliche Musik-Incipits im Plaine-and-Easie-Code (den schreibt man wirklich so). Alle meine Entchen sieht damit folgendermaßen aus:
Code:
4'CDEF/2GG/4AAAA/1G/4AAAA/1G/4FFFF/2EE/4DDDD/1C///

Hm, aber wo ist hier die Notendauer?
musicaRA
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MassMover
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Beitrag von MassMover »

4=Viertel, 2=Halbe, 1= Ganze

MM
C Schonberger
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Beitrag von C Schonberger »

Tausig hat geschrieben:Frage: Wenn neben den Strichen auch Noten darzustellen sind, dann ist es doch selbstverständlich, daß gemeinsame Schläge auf gemeinsamer Vertikalen liegen. Alles andere wäre doch schlicht falsch, auch wenn man schön gleichmäßig ausgerichtete Striche schöner fände. Man kann doch auch keine gleichmäßigen Achtel oder Viertel einer Stimme unabhängig von einer anderen ausrichten, die ganz andere Rhythmen oder aus anderen Gründen (z.B. mehr Vorzeichen) andere Abstände hat. Nichts ist für einen Partitur-Leser verwirrender, als wenn Gleichzeitiges nicht untereinander steht, oder?
Natürlich sollten "gleichzeitig stattfindende musikalische Ereignisse" auch verikal untereinander liegen, aber man kann immer ein wenig nach links oder rechts korrigieren - das muss man auch wenn z.B. Vorzeichen sich mit Noten überschneiden (passiert oft) oder wenn wegen einer einzigen Vorschlagsnote (heißt das so?) alle anderen Instrumente viel zu viel Luft vor der Eins haben. Ein harmonisches Notenbild ist (meiner Ansicht nach) eines, das harmonisch wirkt (man liest ja anstatt mit dem Lineal nachzumessen, denke Ich).

...wollte nur meinen Senf dazu geben.

Christian
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MassMover
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Beitrag von MassMover »

Du hast zu viele handgeschriebene Bigbandpartituren gelesen :wink:

Da ist die Strichnotation meist so hingeschmiert, aber als ehrfürchtiger Student findet man’s cool - und gewöhnt sich dran.

Im professionellen Satz wird aber nix geschoben - wenn eine Stimme ein Vorzeichen oder ein Vorschlag vor der Eins hat und die anderen nicht, dann ist da halt ein Abstand. Und wenn sich Vorzeichen und Noten überschneiden, dann hast du einfach insgesamt zu viele Noten (also Takte) auf einer Partiturseite.

Schieben muss man nur, um die Fehler, die Finale bei der Ausrichtung von Vorzeichen in mehren Ebenen macht, auszubügeln, aber das sollte man stets im Taktwerkzeug mit der zweiten Handhabungsmarkierung machen, so werden nämlich die Noten in allen Systemen verschoben - und stehen immer noch untereinander.

MM
teacue
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Beitrag von teacue »

Thomas Hauber hat geschrieben: Ich kann da auch nur sagen, wie ich es gerne hätte bzw. wie es m. M. nach die Mehrheit gerne hätte: Schlagzeuger spielen generell lieber aus einer Schlagzeugpartitur. Man kann die Stimmen mitverfolgen und braucht daher weniger zu zählen. Ein weiterer Vorteil ist, dass u. U. ein Spieler mehrere Instrumente bedienen muss und dies mit Einzelstimmen praktisch nicht durchführbar ist (da verstehe ich die Schlagzeuger vollkommen). Ein paar Dinge sollte man aber beachten:

1. die Instrumente immer im gleichen Notensystem belassen
2. Akkoladen nur dann optimieren, wenn wirklich längere Zeit eine Stimme aussetzt
3. Notensysteme bezeichnen mit 1, 2, 3..., also die Spieler und nicht die Instrumente
4. wechselnde Instrumente eines Spielers im Notentext benennen (nicht vor dem Notensystem)
5. wenn eine oder mehrere Stimmen sehr komplex sind und wenig Pausen haben, dann für diese Stimmen doch eine Einzelstimme schreiben
Wenn diese Art Frage schon errötert wird, würde ich gern wissen ob der Spieler einer "normalen" Drumset bei U-Musik (im Sinne der Gema) (z.B. für Musicals) lieber die verschiedenen Instrumenten in einem oder mehreren Systemen gern hätte?
(Sorry für die etwas OT Frage)
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